Noah Klieger (Nachruf)

"Noah Klieger ist die Geschichte dieses Jahrhunderts." Das schrieb Elie Wiesel, sein Freund und Friedensnobelpreisträger über ihn.

Noah Klieger überlebte vier Lager, zwei Todesmärsche, zwei Jahre Auschwitz. Im KZ Ravensbrück erlebte er die Befreiung. Er gehörte zu den Flüchtlingen auf der "Exodus", kämpfte im Unabhängigkeitskrieg, der zur Gründung des Staates Israels führte. Und er wurde, erst als Sportjournalist, später dann als politischer Kommentator für "Jedi’ot Acharonot", (größte Zeitung Israels), eine Institution.

Am 13. Dezember 2018 ist Noah Klieger, aktiv bis zum Ende als wohl dienstältester Zeitungsredakteur der Welt, im Alter von 92 Jahren in Tel Aviv gestorben.

Wir kannten und erlebten Noah als Zeitzeuge, als Freund, als Lehrer und Berater.

Kennengelernt haben wir Noah Klieger 2010. Er wollte einen Artikel für die Zeitung "Jedi’ot Acharonot" über unser Projekt schreiben und rief uns deshalb an. Es folgten Zeitzeugengespräche bei uns an der Schule oder in Israel. 2011 fuhren wir mit ihm durch Europa, um an die Orte seines Lebens zu reisen, die für ihn wichtig und prägend waren (Straßburg, Luxemburg, Brüssel, Mechelen, Auschwitz, Mittelbau-Dora, Ravensbrück). Noah sagte: "Ich bin kein Buch, dessen Inhalt man anzweifelt, worüber man diskutieren kann. Ich bin der, der dort war."

Weitere Begegnungen und interessante Gespräche folgten 2012, 2013, 2014, 2017.

Zum letzten Mal trafen wir ihn im April 2018 in einem kleinen Cafe in Tel Baruch, einem modernen Viertel im Nordwesten Tel Avivs.

Wir ahnten nicht, dass es das letzte Mal sein würde…

Ein Leben lang hat Noah Klieger für das Überleben und gegen das Vergessen gekämpft. Auch für den Aufbau des Staates Israels, vor allem als Heimstatt und Sehnsuchtsort nach der Shoah. Und in den letzten Jahren kämpfte er auch gegen das Alter und den Tod. Angst davor hatte er nie. Trotzdem wollte er noch so lange hier bleiben, wie es geht. Er sah es als seine Pflicht gegenüber all jenen, die es nicht geschafft haben, die Hölle von Auschwitz zu überleben. Und er wollte vor allem jungen Menschen über die Shoah erzählen, um etwas gegen das Vergessen zu tun!

Nur selten verging ein Tag in seinem Leben, an dem er nicht an Auschwitz dachte.

Er sagte uns immer wieder: "Man kann sich Auschwitz nicht vorstellen. Man kann Auschwitz nicht erklären. Man kann das nur erzählen. Davon befreien wird mich erst der Tod."